UNIVERSITY MEETS LAB: Understanding urban space

Urbanophil, das Stadtlabor und das Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung laden am 30.5.2012 um 20 Uhr zum Diskussionsabend
“UNIVERSITY MEETS LAB: Understanding urban space”
.

Wie im vorherigen Artikel zur Mobilen Universität erwähnt, soll bei dieser Veransatltung diskutiert werden, welche Überschneidungen es wischen der universitären Form der Wissensvermittlung und dem Ansatz des BMWGuggenheimLABS als temporäres, offenes Wissensformat gibt.
Zentrale Fragen sind zudem, ob ein solches Labor Vorteile bietet, um mit unterschiedlichen Zielgruppen ins Gespräch zu kommen. Oder an welchen Schnittstellen eine Wechselwirkung zwischen diesen Wissensformaten entstehen kann.

Geladene Gäste sind:

  • Prof. Talja Blokland - Institut für Stadt- und Regionalsoziologie, HU Berlin
  • Prof. Wolfgang Kaschuba - Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin
  • Maria Nicanor - Kuratorin, BMW Guggenheim Lab
  • Prof. Angela Uttke - Institut für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin

Wir freuen uns auf eine anregende, konstruktive Diskussion und laden alle Interessierten dazu ein!

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
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Mobile Universität und BMW Guggenheim Lab

[caption id=”attachment_19420” align=”alignnone” width=”245” caption=”Foto: KMD”][/caption]

Das BMW Guggenheim Lab hat nach den Protesten und dem damit verbundenen Rückzug aus Kreuzberg nun seinen neuen Standort gefunden. Seitdem hat sich die Diskussion etwas beruhigt - zumindest in der medialen Öffentlichkeit. Andererseits geht die Vorbereitungen auf allen Seiten weiter. Die temporäre Struktur wird gerade errichtet, das Programm wurde veröffentlicht und auch die Kritiker des Labs arbeiten weiter an Ideen, um das Lab zu übernehmen und organisieren Proteste.

Es könnte also spannend werden. Sollten die Gegner nicht auf Gewalt, sondern auf Kreativität und gute Ideen setzten (wie es Claudius Prösser in der taz forderte) dann kann sich hieraus wirklich ein interessanter Diskurs ergeben, der neue Aspekte und Themen zur Stadtentwicklung hinzufügt.

Ein Format der Auseinandersetzung wird die Mobile Universität Berlin sein, die von den urbanophil-Mitgliedern Karsten Michael Drohsel, Stefan Höffken und Tobias Meier konzipiert wurde. Zusammen mit der Stiftung Freizeit und dem Netzwerk mikromakro konnte damit eine Plattform geschaffen werden, mit der Stadträume aktiv entdeckt und bespielt werden können. Ziel ist es, mit den Bewohnern vor Ort interaktive und kommunikative Prozesse in Gang zu bringen und Anreize und Möglichkeiten für verschiedene Partizipationsmöglichkeiten zu bieten. Jedes Projekt der MUB ist einzigartig und reflektiert eine bestimmte Situation im städtischen Kontext. Gleichzeitig ist aber bei allen Aktivitäten die Erkenntnis der Ausgangspunkt, dass in jeder Stadt vielfältige verborgene Inhalte existieren, die sichtbar gemacht werden können, wenn man sich neuen Zugängen (wie digitalen Medien, individuelle Stadtwahrnehmung, performative Methoden u.a.) gegenüber öffnet. Während des Labs wird die MUB das erste Mal zum Einsatz kommen, indem jeweils sonntags verschiedene Workshops angeboten werden. Sobald die Daten fixiert sind, werden wir euch hierüber nochmal informieren.

Damit in diesem Prozess auch unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen können, veranstalten wir am 30.05.12 um 20.00 Uhr gemeinsam mit dem Stadtlabor und dem Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung der Humboldt Universität Berlin die Veranstaltung „University meets Lab: Understanding urban space“. Zentrale Fragen sind wie und was eine Institution Universität von einem Format wie dem Lab lernen kann, wie der Transfer von Wissenschaft, Forschung und Weitergabe funktionieren kann und wie nachhaltig die vom Lab angestoßenen Projekte sind. Diese Veranstaltung ist öffentlich, das heißt, alle die konstruktiv mitdiskutieren wollen sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Wir freuen uns sehr zu dieser, aber auch zu den im Rahmen des Labs stattfindenden Veranstaltungen mit euch ins Gespräch zu kommen.

Ausstellung Moderne Geisterstädte

Am 24. Mai findet um 19 Uhr die Eröffnung der Ausstellung Moderne Geisterstädte in der Galerie des Architekturmuseums der TU Berlin statt. Die von der Bauwelt initiierte und Brigitte Schultz kuratierte Ausstellung geht bis zum 16. August 2012 der Frage nach, was Menschen dazu bringt, ihre Stadt zu verlassen und knüpft an die Ausgabe 188 der Stadtbauwelt sowie den Themenabend des vergangenen Jahres an. Die Ausstellung “liefert einen tieferen Einblick in das Schicksal von sechs Siedlungen, die alle auf ihre Art über sich hinausweisen”.

  • Zentrum von Kangbashi / Ordos (Innere Monogolei)
  • die japanische Inselstadt Hashima, Projektionsfläche für urbane Mythen
  • die aserbaidschanische Inselstadt Neft Dashlari, die erste Ölplattform der Welt
  • Pripjat, ehemalige Musterstadt der Arbeiter bei Tschernobyl
  • Varosha auf Zypern, einst Urlaubsparadies, seit 1974 Faustpfand des Zypernkonflikts
  • die chinesische Stadt Ordos, boomende Geisterstadt am Rande der Wüste Gobi

Ergänzt werden diese modernen Ruinen durch das historische Groß-Angkor, eine ehemals hochentwickelte Millionenstadt, die maßgeblich durch einen Klimawandel zu Fall gebracht wurde. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Blick in die Zukunft, in dem sowohl geläufige Bedrohungsszenarien heutiger Metropolen einer kritischen Überprüfung unterzogen werden, als auch weitgehend unbekannte, fundamental bedrohte urbane Lebensräume vorgestellt werden.

Während der Ausstellung wird der Dokumentarfilm Oil Rocks von Marc Wolfensberger gezeigt, der von der aserbaidschanischen Inselstadt Neft Dashlari handelt.

Sonntagsfrage #01

In letzter Zeit komme ich immer wieder an Fragen, die mich aufwühlen, zum Denken anregen oder die mich ratlos zurück lassen. Diese Fragen möchte ich gerne in loser Reihenfolge als Sonntagsfrage an Euch stellen und bin sehr gespannt auf die Antworten oder auch neue Fragen über die Kommentarfunktion.

Die erste Sonntagsfrage ist mir heute auf einem Fahhradausflug durch Berlins Mitte begegnet: Welche Relevanz hat erinnernde Kunst für die Stadt?

Aktuelles Beispiel wäre z.B. die Installation “Peace Wall” von Nada Prlja in der Friedrichstraße.

[caption id=”attachment_19392” align=”alignnone” width=”373” caption=”Foto: KMD”][/caption]

Betonburg ade

Bauten und Plätze der 1960er und 1970er Jahre prägen vielerorts unsere Städte oder setzen markante Akzente. Die heute oft als Klötze gescholtenen Großbauten sind in die Jahre gekommen: Sie bedürfen daher der Pflege und ganz besonders der Vermittlung ihrer Qualitäten an die breite Öffentlichkeit (BHU).

Die Hauptverwaltung der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover in Laatzen besteht aus einem 1970 geplanten, vollklimatisierten 8,5-geschossigem Hauptgebäude mit je vier Großraumbüros pro Etage für 2.500 Mitarbeiter und 1,5 Technikgeschossen. Die Materialität des Bauwerks verleiht ihm eine gewisse Zeichenhaftigkeit. 1977 von den Mitarbeitern bezogen, soll der heute überdimensionierte Verwaltungssitz durch einen Neubau abgelöst werden. Die Zukunft des Betonungetüms als „eine weithin sichtbare Landmarke von Laatzen“ war zunächst offen, sollte das Haus verkauft und von einem Investor umgenutzt werden.

Letzte Woche wurde nun der Neubau begonnen, der 2014 fertig gestellt sein wird. Das größte Bürohaus der Region, die riesige Betonburg, wurde von einer Bietergemeinschaft erworben. Sie soll abgerissen werden um auf der Fläche Wohnhäuser zu errichten. Eine Sanierung gilt nach nur 40 Jahren Lebenszeit als unwirtschaftlich. Obwohl das Gebäude den baulichen Auftakt der Stadt Laatzen repräsentiert und als Landmarke durchaus Identitätsprägend ist, soll der Gebäudekomplex der Deutschen Rentenversicherung abgerissen und durch Wohngebäude ersetzt werden. Wünschenswert wäre an dieser Stelle aber eine Auseinandersetzung mit der vorhanden Bausubstanz - von einer Betonburg zu einem Vorzeigeprojekt der Umnutzungsmöglichkeiten von 1970er Jahre-Bauten.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf folgende Veranstaltungen verwiesen: die Tagung „Klötze und Plätze“ vom BHU am 4./5. Juni 2012 in Reutlingen untersucht und diskutiert die Vielfalt zeittypischer Großbauten und exemplarisch Rathäuser der 1960er und 1970er Jahre, die als Orte städtischer Repräsentation und Identifikation geplant wurden. Die Konferenz “Großbauten der 1960er und 1970er Jahre” an der TU Berlin am 02. Juni 2012 greift ebenso die Thematik auf und legt den Schwerpunkt auf die Zukunftsfähigkeit dieser Betongetüme unter Bewahrung ihres ästhetischen Charakters.

Buchrezension: “Leben zwischen Häusern - Konzepte für den öffentlichen Raum”, von Jan Gehl

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Genaugenommen ist das Buch “Leben zwischen Häusern“ ein Manifest. Ein Manifest gegen die unbedachte Modernisierung der Städte, die Ideologien folgt, jedoch bei all den neuen Erkenntnissen über zeitgemäßes Wohnen die Bewohner vergisst. Architektur und Planung, das wird bei Jan Gehl deutlich, haben nicht nur einen Auftrag, sondern auch Verantwortung. Und genau um diese geht es ihm.

Der dänische Architekt und Planer beschäftigt sich in seiner Arbeit besonders mit den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen an die Planung von Stadträumen. Dabei legt er den Fokus auf den Fuß- und Radverkehr, der eine zentrale Rolle in der Gestaltung kommunikativer Räume einnimmt. Er fordert lebendige Straßen in aufgelockerten Wohngebieten, die Kommunikation ermöglichen, Situationen schaffen und zur Teilhabe einladen. Dies gilt sowohl für Kinder, als auch Erwachsene.

Das reich bebilderte und mit vielen Grafiken versehene Buch ist eine überarbeitete und aktualisierte Übersetzung des Klassikers, den Gehl schon vor 40 Jahren geschrieben hat. Nicht nur das Thema, sondern vor allem auch die Bilder erinnern u.a. an Jobst Wolf Siedlers „Die gemordete Stadt“ und die Grafiken haben sicher viele Stadtplaner durch die Ausbildung begleitet. Das weist natürlich stark auf eine bestimmte Zeit der großflächigen Modernisierung europäischer Städte ab den 1970er Jahren hin, wo eine wahre Aufräum- und räumliche Aufarbeitungswut die Planung regierte.

Gepaart mit Visionen über den modernen Menschen, dem die Architektur dienen, ihn nicht behausen soll, in dem die Städte als Maschinen für die Bedürfnisse der schnelllebigen Zeit aufgerüstet wurden und jegliches Sentiment der alten Zeit sukzessive verbannt wurde, ging nicht nur diese unwiederbringlich verloren, sondern auch die natürlich gewachsene Struktur sowohl der räumlichen Anordnung, als auch der Kommunikation, der Kontakte, der Spontanität. Die Perspektive der Planungstätigkeit wurde nach oben, in die sog.  Gottesperspektive verlagert, das Menschenmaß spielte eine den baulichen Visionen, wie Gesellschaft sein könnte/sollte, untergeordnete Rolle. Die natürliche Geschwindigkeit des Langsamverkehrs, wie die Schweizer romanitisierend den Fuß- und Radverkehr nennen, wurde erhöht auf die Geschwindigkeit der fortschreitenden Individual-Motorisierung an die auch historische Strukturen angepasst wurden.

Das Ergebnis ist nun heute das Problem: die Autofreundlichkeit der Städte verhindert die Anpassung der Zentren an den wachsenden Anteil des Langsamverkehrs, den menschenfreundlichen Ausbau von zentralen Bereichen mit Einzelhandel, Dienstleistung und Freizeitangeboten und Entwicklungen, die Dynamiken in den Segmenten Wohnen, Arbeit und Freizeitgestaltung aufnehmen können.

Sicher ist dieser Sachverhalt vielen professionellen Planerinnen und Planern hinlänglich bekannt und löst keine Euphorie mehr aus. Die damals von Jan Gehl getätigten Beobachtungen und vermuteten Ausblicke sind zwischenzeitlich ausreichend bekannt, untersucht und Generationen von Planenden haben derzeit damit zu kämpfen.

Das Buch selbst ist, wie eingangs schon erwähnt, die überarbeitete Fassung des Originals aus den 1970er Jahren. Die meisten Abbildungen und Grafiken stammen aus dieser Zeit, neuere wurden diskret eingefügt, was an manchen Stellen verwirrend ist. Ebenso finde ich die Aktualisierungen der Texte nicht gelungen, da sich alter und neuer Text nicht fließend ergänzen, sondern zwischen den einzelnen Teilen teilweise unnachvollziehbare Sprünge entstehen. Manche Effekte, zum Beispiel die der Verlagerungen von Tätigkeiten in Privaträume und auf alternative Kommunikationsplattformen (Stichwort Internet und „Social Media“) und die veränderten Dichteverhältnisse in den Quartieren sind nicht abschließend durchdacht, was aber einer Aktualisierung gut getan hätte.

Dennoch ist das Buch eine Empfehlung wert. Jan Gehl leitet in den insgesamt vier Kapiteln aus der gewachsenen Struktur der Städte einen humanistischen Städtebau ab, den er mit vielen Beispielen als erstrebenswert einführt. Besonders gefällt mir hierbei die Idee nicht einen historischen Bestand einfrieren zu wollen, sondern Stadt und öffentlichen Raum nicht als Ergebnis, sondern als Prozess zu betrachten, der immer wieder neu bewertet und definiert werden, ergo auch immer an die neuen Bedürfnisse angepasst werden muss, aber auch kann. Hierfür benötigt es Grundkenntnisse über Verhaltensweisen und die Wirkung von räumlichen Situationen auf diese. Erst nach diesem Verständnis kommt die Planung ins Spiel. Eine Planung, die sensibel genug ist die intendierten Nutzungen von den natürlichen zu trennen und nur in den Stadtkörper einzugreifen, wo es notwendig ist; mit Mitteln, die den Ort eben anpassen, nicht zerstören. Hierfür gibt er im letzten Kapitel einige Ideen und Grundsätze an die Hand die mit vielen Abbildungen und Skizzen illustriert sind.

Leben zwischen Häusern - Konzepte für den öffentlichen Raum

Autor und Herausgeber: Jan Gehl
DEUTSCH
200 Seiten
mit 320 s/w Abbildungen
Euro 28.00  sFr 38.00
ISBN 978-3-86859-146-0

» Webseite des Verlags
» Leseprobe

Citizen Art Days Spot - Anmeldungen freigeschaltet

Nach dem großen Erfolg der Citizen Art Days im März findet nächsten Mittwoch im Rahmen des 12. Bundeskongress Politische Bildung auf dem Alexanderplatz ein Citizen Art Days Spot zu kooperativen Kunststrategien und Beteiligungspotentiale im öffentlichen Raum statt.

“Der öffentliche Raum ist der Raum für soziale Kommunikation, es ist der Raum, in dem wir Citizens uns begegnen können. Der zu erlebenden Renaissance des Öffentlichen in Berlin stehen ebenso viele Problemfelder gegenüber: die Privatisierung des Stadtraums, Segregation und das Auseinanderdriften von Milieus in Teilöffentlichkeiten. Der Überzeugung folgend, dass künstlerische Zugänge einen geeigneten Ansatz bilden, negativen Entwicklungen im öffentlichen Raum kreativ entgegenzutreten, stehen bei den angebotenen Workshops der Citizen Art Days auf dem Alexanderplatz drei Schwerpunkte im Vordergrund: Nachhaltigkeit, Ökonomie und Miteinander.”

Am Vormittag werden mehrere Earth Foren angeboten und am Nachmittag finden eine Stadtexkursion, zwei Workshops eine Aufstellung und ein Kunstprojekt statt. Zu deren Teilnahme werden explizit Bürger und Bürgerinnen aufgerufen die Interesse haben zusammen mit renomierten Künstler/inne/n und Wissenschaftler/innen (u.a. Juliane Wedell, Julia Kapelle und Stephanie Hanna, Superconstellation, Maria Linares und Karsten Michael Drohsel), öffentliche Räume um den Alexanderplatz in Berlin zu untersuchen.

Am späteren Nachmittag habt ihr die Gelegenheit im »Ich kann nicht singen-Chor« von Michael Betzner-Brandt mitzusingen. Der Chorleiter nimmt alle vermeintlichen Nicht-Sänger von Anfang an bis zum Ende mit: Aufwärmübungen, sich locker durch den Raum bewegen, dann erst einmal Stimmengeräusche machen … und am Ende den Ort klanglich thematisieren. Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem »Beschwerdechor« von Salam Yousry statt.

[caption id=”attachment_19327” align=”alignnone” width=”500” caption=”Die Abbildung ist der Ankündigung des CAD Spots entnommen”][/caption]

Die Citizen Art Days sind ein Projekt von “Parallele Welten” (Stefan Krüskemper, María Linares und Kerstin Polzin) und werden gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Alle Infos findet ihr auf dieser Webseite, die Programmübersicht ist hier zu finden.

Zeit: 23. Mai 2012, 9.30–15 Uhr
Ort: Alexanderplatz
Teilnahme: kostenlos, Anmeldung unter diesem Link erforderlich
In der Mittagspause gibt es Suppe vom “Schwarzarbeiter”.

Nimm Dir Zeit!
Nimm teil!

10 Thesen für eine neue Stadtplanung

Immer wieder berichten wir in der Kategorie digitale Stadt über die neuen Möglichkeiten, die sich aus dem Internet und der Digitalisierung unserer Umwelt ergeben. Ob neue Analysemethoden des Sozialen, Open Data oder die Vernetzte Stadt - immer steht dahinter der veränderte Umgang mit Information und das Teilen des Wissens. Das wird unsere Gesellschaft grundlegend verändern - und zwar fundamental und auf mehreren sozialen Ebenen.

Der digital ausgelöste gesamtgesellschaftliche Wandel wird auch die Stadtplanung in aller Konsequnez erfassen, wie Herr Prof. Bernd Streich in seinem Thesenpapier aufzeigt, das er beim 5. Internationalen Symposium des Planungsnetzwerks geo-Innovation vorstellte:

Das Zeitalter der Industriegesellschaft neigt sich nun seinem Ende zu und wird allmählich überformt durch eine Art Netzwerkgesellschaft (Manuel Castells, Yochai Benkler), in der sich das Wissen als die wesentliche ökonomische Ressource konstituiert und deren prägendes Merkmal die immer neu sich strukturierenden relationalen Funktionalitäten sind. […] All dies wird nicht ohne Auswirkung auf die Stadtplanung bleiben: Ihre Inhalte und Methoden werden sich ebenso verändern wie ihre Organisation und Institutionen.


Und damit werden weitreichende und grundlegende Fragen, die auch das “institutionelle Gefüge der Stadtplanung insgesamt” betreffen gestellt:

Es stellt sich dabei die Frage, ob und inwieweit die neue Epoche zu einer neuen Stadtplanung führt oder ob wir nicht gar einen völlig anderen Denkansatz für die Stadtplanung in der Netzwerkgesellschaft benötigen. Weitere Fragen schließen sich an: Etwa die Frage, auf welche Weise künftig neue Inhalte definiert werden. Oder die Frage, auf welche Art und Weise städtebauliche Konzepte in Zukunft entworfen werden. Ist dann vielleicht auch darüber nachzudenken, das stadtplanerische Methodenrepertoire zu erweitern? Sind die Organisationsstrukturen der Stadtplanung, wie wir sie kennen, überhaupt noch zeitgemäß? Muss vielleicht das institutionelle Gefüge der Stadtplanung insgesamt überdacht werden? Wie steht es um das Thema Partizipation, ein zentrales Thema im Gefüge und Denken demokratisch legitimierten Handelns? […]

Prof. Streich, der auch schon auf unsere Blogging the City Konferenz einen äußerst gelungenen Vortrag über die Auswirkungen des Internets hielt, gibt damit einen guten Überblick, auf wie vielen Ebenen sich Veränderungen ankündigen und/oder bereits vollziehen. Es ist ein grundlegendes Thesenpapier, das von Stadtplanern gelesen und diskutiert werden sollte und hier in voller Länge als pdf einsehbar ist. Dementsprechend möchten wir alle Leser auffordern, in den Kommentaren ihre Meinungen kundzutun und die notwendige Diskussion zu unterstützen.

Ein Aspekt soll hierbei besondere Beachtung finden, welcher das Themenfeld beleuchtet, das wir auf Urbanophil seit langen intensiv betreiben - nämlich die mögliche Bedeutung von urbanen Blogs:

Partizipation alten Stils wird allmählich transformiert in einen Blogging-Kontext, der sich als netzwerkartige Gruppenaktivität von sozialen Milieus im Internet darbietet, wobei Planer-‘Experten‘ als ‘blogger inter pares‘ und Koordinatoren von ‘open contents‘ in Erscheinung treten.

Mit den 10 Thesen hat Herr Streich eine präszise und gelungene Zusammenfassung der wichtigsten Veränderungen und Themenbereiche erstellt, welche die Basis für weitere Diskussionen, Methodenentwicklung und Theoriebildung sein wird.

Anmerkung: Der Autor ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet von Prof. Streich

1x2 Tickets für die Bike-Shorts zu verlosen

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=PgD4Dsson_s[/youtube]

Wir machen es kurz: Mit leicht verändertem Programm ist das Bike Shorts-Programm wieder zurück. Diesmal mit zwei Terminen in Berlin und 13 im restlichen Bundesgebiet, darunter Bielefeld, Bremen, Hamburg, Dortmund und München. Für das Berliner Programm am morgigen Mittwoch, den 16. Mai oder Sonntag, den 20. Mai verlosen wir 1x2 Tickets. Da der erste Termin bereits morgen ist, läuft die Verlosung nur bis HEUTE ABEND, den 15. Mai um 21 Uhr. Bei Interesse bitte eine Mail mit dem Wunschtermin an: t.birkholz@urbanophil.net

„Bock auf Stadt“ - Stadtentwicklung als Corporate Citizenship

Zivilgesellschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung sollen heute in vielen Stadtentwicklungsprozessen die Bewältigung der wachsenden Herausforderungen (etwa bzgl. demografischem und klimatischem Wandel) unterstützen und möglichst noch staatliche Institutionen entlasten. Aber nicht nur die Bürger nehmen hier verstärkt neue Rollen ein, auch Unternehmen werden zunehmend in diesem Kontext aktiv und engagieren sich als sogenannte Corporate Citizen für den städtischen Raum – und werden etwa von Image- und Reputationsgewinn motiviert.

Aktuell fallen vor allem große Konzerne auf, die sich unterschiedlich als Akteure einer nachhaltigen Stadtentwicklung präsentieren und Debatten hinsichtlich ihrer Zweckmäßigkeit und Glaubwürdigkeit entfacht haben: IBM kommuniziert sich mit dem Slogan »Smarter Cities« als Wegbereiter nachhaltige Stadtentwicklung. Die Dt. Telekom hat das Projekt T-City in Friedrichshafen umgesetzt. Die Siemens AG positioniert sich mit zahlreichen Aktionen als „Partner“ für die nachhaltige Stadt (wir berichteten darüber u.a. von der Tagung der Urbanauten in Tutzing). Und BMW sorgt mit dem BMW-Guggenheim-Lab als Denkwerkstatt für die Stadt der Zukunft, seit Monaten für heftige Diskussionen in Berlin.

Kritik richtet sich dabei besonders auf ein unternehmerisches Stadtverständnis, unternehmerischen Kommunikationsstrategien oder dem oft nur auf prestigeträchtige Orte gerichteten Engagement.

Aber auch kleine & mittelständische Unternehmen (kurz KMU) befassen sich vermehrt mit dem Thema Stadtentwicklung und treten als Unterstützer von Einzelprojekten auf oder stoßen ganze Stadtentwicklungsprozesse an, etwa wie im niedersächsischen Duderstadt (ca. 22.000 Einwohner).

[caption id=”attachment_19221” align=”aligncenter” width=”250” caption=”Abb.1: Buchcover: Duderstadt, Eine Stadt in Bewegung, A. Engel u.a., Duderstadt 2011 (Quelle: www.duderstadt2020.de”][/caption]

Duderstadt2020

Das Projekt Duderstadt2020 ist eine private Stadtentwicklungsinitiative des Unternehmers Prof. Hans Georg Näder (Firmeninhaber & CEO der Otto Bock GmbH aus Duderstadt, Weltmarktführer für Orthopädietechnik). Das Projekt wird seit 2009 von einem Team der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, Holzminden und Göttingen (HAWK) entwickelt und organisiert. Die Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus den Fakultäten der HAWK bringen das Fachwissen aus verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten ein und begleiten den Prozess. Die Firma Otto Bock finanziert die daraus entstandene Duderstadt2020 GmbH (http://www.duderstadt2020.de).

Das Ziel der Initiative ist, Maßnahmen zur qualitativen Stadtentwicklung in Form eines Masterplans anzuregen. Dabei werden vor allem Konzepte entwickelt, die der Abwanderung von Fachkräften und dem demografischen Wandel entgegenwirken sollen – letztlich um die Attraktivität als Lebens- und Wirtschaftstandort zu stärken. Der offene Prozess soll von möglichst vielen Bürgern und Unternehmen mitgetragen und gestaltet werden, weshalb bereits zu Beginn integrative Instrumente zur Anregung von Bürgerbeteiligung eingesetzt wurden (etwa Diskussionsforen/ Zukunftswerkstätten/etc.). Und so dienen einige Projekte ebenfalls der Vernetzung der vorhandenen Akteure und zur Verstärkung ihrer Potentiale, etwa die Initiierung eines Unternehmensnetzwerks oder des Künstler/Innennetzwerks. Als erste städtebauliche Initiative wurde eine Quartiersentwicklung in Form eines Gemeinschaftsprojekts angeregt (Scharrenstraße) .

Zukünftig soll Duderstadt2020 als gemeinnützige GmbH weitergeführt werden und ein „integratives Stadtentwicklungsmanagement“ mit 6 Themenfeldern betreiben (Stadtmarketing, Tourismusförderung, Wirtschaftförderung, Kulturförderung, Quartiersentwicklung und soziales Miteinander). Für eine finanzielle Unabhängigkeit (von Otto Bock) und Diversifikation sollen zusätzliche Partner gewonnen werden, die Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement wird intensiviert.

Duderstadt2020 ist ein lobenswerter und innovativer Ansatz, der jedoch hinsichtlich eines artikulierten Nachhaltigkeitsanspruchs noch lückenhaft ist und gerade Umweltaspekte kaum thematisiert - sondern eher auf die Herstellung von Attraktionen (mit Eventcharakter) fokussiert ist. Die Aktivierung von zivilgesellschaftlichem Engagement wird heute gerne genutzt, ist jedoch gerade auch wegen des demografischen Wandels begrenzt ausbaufähig.

Über das Verhältnis zu bestehenden kommunalen Strukturen kommuniziert man, dass man nicht beabsichtigt „vorhandene Einrichtungen und Institutionen grundsätzlich in Frage zu stellen, vielmehr soll an bestehende Strukturen angeknüpft  und diese unter Einbeziehung der neu entstandenen Aktivitäten und Akteure weiterentwickelt werden.“ Und genau in diesem Anliegen, bzw. der Notwendigkeit nach Anschlussfähigkeit von unternehmerischen Engagement an Politik und Bürgergesellschaft, liegt die Schwierigkeit der Initiative Duderstadt2020. Ein „intermediäres Prozessmanagement“ wird als mögliche Lösung vorgestellt, jedoch kann vor allem der Top-Down Ansatz, also die Initiative (& Finanzierung) von nur einem Unternehmer bzw. Unternehmen, Schwierigkeiten hervorrufen. Gegenüber Politik und Stadtverwaltung können sich etwa Kompetenzkonkurrenz ergeben oder Eingriffe in die Verwaltungshoheit. Bürger identifizieren sich teilweise nur schwer mit der „Fremd“-Initiative und engagieren sich eher passiv, als durch Eigeninitiative. Andere lokale Unternehmen schließen sich oft nur schwer der Initiative an oder belassen dem führenden Unternehmen die Verantwortungsrolle. Problemfelder, die auch am Projekt Duderstadt2020 eine wissenschaftliche Analysen zulassen.

Eine Folge ist, dass sich die Vorstellungen und das Verständnis von Stadt des dominierenden Unternehmers  - wenn auch nicht beabsichtigt- besonders stark in den Prozess einschreiben und Kommunikation und Projektrhetorik entsprechend geprägt werden.

Bock auf Berlin

Ein Stadtverständnis des Unternehmers wird auch andernorts sichtbar. Denn inzwischen ist Prof. Näder (als „Bürgerunternehmer/ Mäzen/ Philanthrop“) in Berlin aktiv; das Otto Bock Science Center Medizintechnik besteht seit 2009 am Potsdamer Platz.

[caption id=”attachment_19219” align=”aligncenter” width=”500” caption=”Eingang zum Areal der ehem. Bötzow Brauerei 2012, Bild hha”][/caption]

Spannender: Im Dezember 2011 wurde der Entwicklungsplan für die ehemalige Bötzow Brauerei im Bezirk Prenzlauer Berg für eine Mischnutzung aus Kulturangebot (Skulturenpark), Rollstuhlmanufaktur (Otto Bock), Otto Bock-Marketing-Abteilung, Büros, Ateliers, Hotel und Loft-Wohnungen vorgestellt. Prof. Näder hatte das ehemalige und nun denkmalgeschützte Brauerei-Areal (ca. 25.000 qm) 2010 erworben und möchte mit einem „Masterplan 2020“ ca. 35.000 qm vermietbare Fläche schaffen, wobei die Firma Otto Bock einen Großteil selbst nutzen möchte. Auch wenn man betont, dass hier nicht der Trend fortgesetzt wird, hochpreisige Eigentumswohnungen zu entwickeln, wird klar welche Art der Wiederbelebung hier Fortsetzung erfährt und welche „lebendige Community“ geplant ist. Loft-Mietwohnungen von 280 bis 1180 qm oder ein luxuriöses Boutique Hotel sind kennzeichnend für die bestehende Urbanitätsvorstellung. Der Projektentwurf vom Bu?ro van Geisten/Marfels Architekten wurde bislang nur einer ausgewählten Öffentlichkeit mit einem Event vorgestellt. Von Bezirksseite gibt man sich zufrieden, dass nun endlich das Grundstück einer neuen Nutzung zugeführt werde – andere Entwicklungen waren in den letzten Jahren gescheitert (etwa ein Projekt der Metro AG). Die bisherigen Zwischennutzungen werden also bald weichen. Das aufmerksame Publikum kann sich zunächst einen Eindruck auf der hinsichtlich Akzeptanzkriterien formulierten Website von „Bötzow Berlin“ verschaffen. Dort wird formuliert, „den gewachsenen Organismus der früheren Bötzow Brauerei im Sinne einer DNA“ zu erhalten. Der Jetztzustand darf auf organisierten Touren besichtigt werden (Anmeldungen unter www.boetzowberlin.de).

Beide hier kurz vorgestellten Projekte des engagierten Unternehmers/ Unternehmens stehen für sich und sollten auch getrennt hinsichtlich von Chancen und Risiken bewertet werden. Sie zeigen jedoch klar, dass die Debatte um Unternehmensengagement in der Stadtentwicklung erst am Anfang steht und für eine nachhaltige Qualität planerische Instrumente und integrative Prozessmethoden weiterentwickelt werden müssen.

Der Autor:
Hans-Hermann Albers lebt und arbeitet als freischaffender Architekt, Stadtforscher & Stadtentwicklungsberater in Berlin. Studium: Architektur & Städtebau an der TU Graz, TU Helsinki, TAIK Helsinki, TU Athen. Forschungsarbeiten, Kunstprojekte und Ausstellungsbeiträge zu Stadtentwicklungsprozessen mit den Schwerpunkten: Tourismus/Sport- und Kultur/regionale Identitätsbildung/Arbeitsmigration/Urban CSR & Nachhaltigkeit. Dissertation an der TU Graz 2010: »Corporate Urban Responsibility« erschienen bei Campus 2011.

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